> 52 Geschichten aus Kreuznachs Geschichte, Band 5

52 Geschichten aus Kreuznachs Geschichte, Band 6
Nr. 35 unter "Fast schon kriminell"
Wildpinkler am Brückentor
Eine Zeitreise ins alte Kreuznach – wer hätte nicht schon einmal davon geträumt! Für den Geruchssinn freilich wäre ein solcher Ausflug strapaziös. 1831 bemerkte Dr. Johann Prieger über das Kurbad: „Die Hauptstraßen sind sehr schmutzig, die Nebenstraßen stinken nach Dünger, Fleischerabfall und Unreinlichkeiten aller Art.“ Schon im 17. Jahrhundert hatte der Stadtrat zwar Anstoß daran genommen, daß ein Bürger Betz „auf offener Straß farzet, daß es jedermann hören könnte“, sich hinsichtlich des Unrats aber mit der salomonischen Lösung begnügt, die Straßen gerade soweit sauber zu halten, als „man frei im Gesicht [Blick] haben mag“. 1845 scheiterte Reformbürgermeister Buß an der Räumung des Zelemochumer Augiasstalles. Noch 1911 fand Zeitungsleser G. auf unbebauten Grundstücken „einzelner Straßen allerlei Raritäten, z.B. verendetes Vieh, wie Katzen, Hühner, Hasen usw., verdorbene Fische und Rollmöpse (ganze Dosen voll), Eingeweide von abgeschlachteten Pferden und sonstige ekelerregende Sachen, welche die ganze Luft verpesten“. 1878 ragte die „Abtrittsgrube“ des Schulhauses Kreuzstraße (No 69) „ca. 1,50 Meter weit auf die Straße hinaus und hat eine lange Zeit sogar ohne jegliche Bedeckung aufgestanden, so daß die Dungstoffe nicht nur zu riechen, sondern auch zu sehen waren“. Selbst die Gymnasialstraße gab Anlaß zur Klage!
1905 rügte Civis: „Hinter dem alten Holzzaune [des stadteigenen Hauses No 6] befindet sich der Domidiansche Eselstall und vor diesem, direkt an der Straße, der Mistablagerungsplatz, dessen zarte Düfte die Häuser der Anwohner fortwährend mit parfümierter Luft versorgen.“ Auf der anderen Seite der höheren Lehranstalt sah es nicht besser aus, in der Klostergasse. 1889 wurde bemängelt, „daß dort sich oft ein penetranter Geruch empfindlich geltend macht, welcher von dem Auge sichtbaren und nahe an der Straße liegenden, zu diskreten Zwecken- benutzten Plätzen herrührt“. Dazu diente 1837 auch das Brückentor, der Durchgang an der alten Schwanenapotheke (Mannheimer Str. 88). Ihr Inhaber erbat die „Unterstützung der löbl. Polizey“ und bekam – „eine Tafel mit der Inschrift: Es ist unter Polizeystrafe verboten, diesen Ort zu verunreinigen.“ Im Januar 1879 wurden deshalb „2 Personen, eine von Boos und eine von Langenlonsheim“, zu drei bzw. zwei Tagessätzen verurteilt.
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